Annähernd 150 geladene Gäste nahmen am Dienstag, fünf Tage vor Ende der Amtszeit am 1. März 2026, im Rolandsaal des Altstädtischen Rathauses an der offiziellen Verabschiedung von Oberbürgermeister Steffen Scheller teil.
Stadtverordnetenvorsteher Walter Paaschen gestand:
„Heute schwingt ein wenig Wehmut mit, doch vor allem ist dieser Tag ein Anlass, Oberbürgermeister Steffen Scheller zu würdigen und Dank zu sagen. Im Namen der Stadtverordnetenversammlung habe ich sie eingeladen, um genau dafür Raum zu schaffen, das freut mich sehr, dass sie so zahlreich erschienen sind.“
Weiter sagte er:
„21 Jahre diente Steffen Scheller unserer Stadt, 13 Jahre als Bürgermeister und Kämmerer, acht Jahre als Oberbürgermeister. Eine beeindruckende Wegstrecke. Wer Steffen Scheller kennt, weiß, diese Stadt war für ihn nie nur ein Arbeitsplatz, sie war ein Projekt – manchmal ein sehr ambitioniertes, manchmal eines mit Bauverzögerung und gelegentlich eines mit ungeplanten Mehrkosten, aber immer eines, für das er die volle Verantwortung übernommen hat. Lieber Steffen, du hast Verantwortung getragen, Entscheidungen getroffen und für unsere Stadt gekämpft. Dafür gebührt dir Respekt und Dank.“
Dr. Oliver Hermann, Präsident des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, schätzt an Steffen Scheller insbesondere
„sein absolut fundiertes Fachwissen, seine Expertise, seine Detailkenntnis, seine klare Haltung.“
Steffen Scheller sei ein Mann, mit dem man sich sehr gut austauschen und der gut abwägen könne, der sich auch die Meinung anderer anhöre
„und – ganz wichtig – der Kompromisse finden kann und der sie auch vertreten kann.“
Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, beteuerte gekommen zu sein, um Danke zu sagen – für 21 Jahre Arbeit für diese Stadt, aber immer auch für das Land Brandenburg. Seine Verantwortung sei immer weit über die Stadt selber hinausgegangen. Damit sich die Stadt gut entwickeln könne, müsse sich das Land gut entwickeln und andersrum gelte genau dasselbe. Das sei eine Grundüberzeugung von Steffen Scheller.
„Wir haben uns in den unterschiedlichsten Gremien an unterschiedlichen Stellen getroffen und niemals ist dabei die Stadt in den Hintergrund getreten.“
Die Stadt habe sich ja schon unter der Amtsvorgängerin Dietlind Tiemann gut entwickelt
„und erst recht ist sie unter der Führung von Steffen Scheller zu einer Perle geworden – nicht nur hier im Land Brandenburg, sondern auch weit darüber hinaus strahlt ihr Potential aus.“
Man könne für seine Amtszeit über die Ansiedlung der Außenstelle des Bundesamtes für Auswärtige Angelegenheiten und über anderes mehr reden.
„Viel wichtiger ist, dass die Menschen, die in einer Stadt wohnen, gut über die Stadt denken und dass sie den Stolz dieser Stadt auch nach außen tragen. Nichts macht eine Gemeinde, eine Stadt, ein Land für andere interessanter, als wenn Menschen über ihre Heimat gut reden und, lieber Steffen, genau das ist, was du geschafft hast in den letzten Jahren mit sehr intensiver Arbeit und dafür bin ich dir sehr, sehr dankbar! Du hast immer für Zusammenhalt und Gemeinsamkeit gestanden.“
Solche Leute würden überall gebraucht,
„ruh dich nicht zu sehr aus!“
Gabriele Wolter, Geschäftsführerin des Universitätsklinikums Brandenburg an der Havel, führte neben all dem, was Steffen Scheller zum Wandel des Klinikums zum Universitätsklinikum, zur Entwicklung der Medizinischen Hochschule und zum Aufbau der Zahnklinik beigetragen hat, als
„zentralen Erfolg die konsequente Konsolidierung des städtischen Haushaltes an. Mit großer Disziplin und Ausdauer ist es Ihnen gelungen die Stadt aus dem Haushaltssicherungskonzept zu führen und im Jahr 2022 die Kredite vollständig abzubauen. Die finanzielle Stabilisierung für unsere Stadt war die Grundlage dafür, dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen unsere Stadt immer handlungsfähig geblieben ist und Zukunftsprojekte voranbringen konnte.“
Darunter auch die Ansiedlung des Bundesausbildungszentrums das Technischen Hilfswerkes. Im Bereich der Energieversorgung sei die Inbetriebnahme der Fernwärmetrasse und damit die Trasse von der Müllverbrennungsanlage in Premnitz nach Brandenburg an der Havel ein zukunftsweisendes Projekt,
„wer sie davon hat reden hören, der wusste genau, in welcher Detailtiefe sie davon sprechen konnten.“
Als Mitglied des Aufsichtsrates des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg habe sich Steffen Scheller ebenso für die Interessen der Stadt eingesetzt und so falle in seine Amtszeit die Übernahme des RE1 durch die ODEG mit einer deutlichen Taktverdichtung auf drei Zugpaare pro Stunde in der Hauptverkehrszeit.
„Davon profitieren wir als Klinikum ganz besonders, weil wir sehr viele Pendler haben, die in die Stadt einpendeln.“
Schließlich sei durch den Gewinn an überregionaler Bedeutung ein Zuzug insbesondere aus Berlin erreicht worden.
Gabriele Wolter sparte außerdem sein Engagement für Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, für das kulturelle Profil der Stadt und für bedeutende Sport-Ereignisse wie die Drachenboot-Weltmeisterschaft mit über 5.000 Teilnehmenden ebenso wenig wie die Olympiabewerbung mit Berlin nicht aus. Außerdem erinnerte sie an die vielen tiefgreifenden Herausforderungen seiner Amtszeit, wozu die Flüchtlingsbewegung der Jahre 2015 und 2016 zählt, dann das Brücken-Desaster, die Corona-Pandemie ab 2020, der vor vier Jahren begonnene Ukraine-Krieg – bis hin zum Unwetterereignis mit erheblichen Schäden im August 2023.
„Wir hatten in Ihnen einen verlässlichen Partner, der auch in den schwierigsten Situationen Ruhe behielt und ohne anzuklagen nach Lösungen suchte,“
fasste Gabriele Wolter zusammen und ergänzte:
„Für mich waren Sie ein Oberbürgermeister, der sich selbst sehr stark einbrachte, Ideen mit entwickelte, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen. Ich schätze Ihre ruhige und besonnene Art, aber auch Ihr durchaus kritisches Hinterfragen von Prozessen. Sie hinterlassen Spuren in den Strukturen unserer Stadt, aber vor allem in den Menschen und städtischen Gesellschaften.“
Nach einem weiteren musikalischen Zwischenspiel der Freien Musikschule Brandenburg, die Titel von Steffen Schellers Lieblingsband Coldplay beisteuerte, trat schließlich der so vielschichtig Gelobte selbst ans Rednerpult.
„Ich freue mich, dass so viele Weggefährten hier sind – aus der Stadt und Stadtverwaltung, aus anderen Behörden, aus anderen Städten und Landkreisen.“
Er knüpfte an Dietmar Woidke an, bestätigte, dass in den vielen Treffen stets Sachfragen über parteipolitische Interessen gestellt wurden
„und ich erwarte und ich freue mich, dass das genau der Geist ist, der nun auch im Land zu einer neuen stabilen Regierung führt. Das hat unser Land verdient.“
Kurz ließ er seinen beruflichen Werdegang von der Sparkasse über den Wechsel in die Stadtverwaltung im März 2005 Revue passieren. Dankbar blicke er auf eine Zeit zurück, die von Herausforderung und von Fortschritten geprägt war,
„nicht alles ist vollendet, doch so eine Stadt ist nie fertig, sie bleibt immer ein gemeinsames, langfristiges Projekt. Ich weiß auch, dass nicht immer alles gelungen ist und ich nicht frei von Fehlern bin, aber ich habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, getragen von fast 21 Jahren Verantwortung in dieser Stadtverwaltung. Ich habe versucht, Brandenburg an der Havel in wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr bewegten Zeiten auf Kurs zu halten.“
Die Stadt verfüge aktuell über rund 60 Millionen Euro Liquidität und habe eine Gewinnrücklage von etwa 180 Millionen Euro. Auch dass es mit vielen Baustellen jetzt vorangeht,
„das ist gut für die Stadt und gut für die ganze Region Westhavelland, denn ohne funktionierende Infrastruktur gibt’s keinen funktionierenden Wirtschaftsstandort.“
Der Blick sei stets auch auf die industrielle Basis der Stadt ausgerichtet, denn
„Unternehmen wie ZF Brandenburg, das Stahlwerk, Heidelberger Druckmaschinen, das Weichenwerk und Gleisbaumechanik stehen beispielhaft für Transformation, für Innovationsfähigkeit und für industrielle Arbeitsplätze mit Zukunft.“
In Sachen beschleunigter Planungs- und Genehmigungsprozesse und Verwaltungsdigitalisierung sei die Stadtverwaltung auf dem richtigen Weg und müsse diesen konsequent weitergehen.
Steffen Schellers eigene Wege waren oft sehr weit, vor allem wenn es um Lobbyarbeit für die Kommune im Land und im Bund über die kommunalen Spitzenverbände ging.
„Ich war dienstlich viel unterwegs, aber dennoch bin ich auch oft im Rathaus gewesen, wo verlässliche Kolleginnen und Kollegen besonders wichtig sind. In der öffentlichen Meinung gibt’s ja über uns eine Menge Vorurteile und auch Witze, aber wichtig und richtig ist, dass eine Stadt als Gemeinwesen nicht funktioniert ohne die Arbeit der Verwaltung. Sie ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, dass das Gemeinwesen funktioniert.“
Schließlich dankte Steffen Scheller seiner Familie, die ihm den Rücken freigehalten habe und wegen beruflicher Verpflichtungen oft auf ihn verzichten musste. Er kam zum Schluss:
„Ich bin davon überzeugt, dass Brandenburg an der Havel weiter eine glänzende Zukunft haben wird und alle sind dazu aufgerufen, daran mitzuwirken. Ich wünsche dir, lieber Daniel, als künftiger Oberbürgermeister für diese Aufgabe viel Erfolg, Kraft, Geduld und Freude an dieser besonderen Stadt. Ich danke euch allen für die gemeinsame Zeit, für Vertrauen, Kritik, Unterstützung und für diesen besonderen Moment heute.
Quelle: © Stadt Brandenburg an der Havel / Th. Messerschmidt & René Paul-Peters