Die BSW‑Stadtfraktion Brandenburg an der Havel kritisiert die jüngste Entscheidung des Aufsichtsrates zur Besetzung der Intendantenstelle am Brandenburger Theater deutlich. Angesichts der bekannten finanziellen Risiken und der strukturellen Herausforderungen des Hauses ist die Wahl einer rein interimistischen Lösung bis 2027 aus unserer Sicht politisch fahrlässig und kulturpolitisch kurzsichtig.
Hierzu erklärt Heidi Hauffe, Co-Vorsitzende der BSW-Fraktion: „Seit einem halben Jahr war klar, dass eine Neubesetzung notwendig ist. Dennoch wurde keine Ausschreibung vorgenommen. Damit wurde eine zentrale Chance verspielt: Die Stelle hätte zum 1. Januar 2026 regulär besetzt werden können. Eine neue Intendanz hätte rechtzeitig Verantwortung übernehmen und die kommenden Verhandlungen zur finanziellen Zukunftssicherung des Theaters vorbereiten und später führen können. Stattdessen wird das Haus erneut in eine Übergangsphase geschickt – in einer Zeit, in der Stabilität und Führung zwingend notwendig wären.“
Hauffe weiter: „Die öffentliche Debatte zeigt deutlich, dass die Stadtgesellschaft diese Entscheidung nicht nachvollziehen kann. Die zahlreichen Reaktionen aus der Bürgerschaft machen klar, dass es nicht nur um Personalfragen geht, sondern um die grundsätzliche Ausrichtung des Theaters. Die Menschen in Brandenburg erwarten zu Recht Transparenz, Professionalität und eine klare Vision.“
In diesem Zusammenhang unterstützen wir ausdrücklich die Analyse des MAZ-Journalisten Philip Rißling, der treffend feststellt:
„Das Theater tut gut daran, gemeinsam mit der Politik und der Stadtgesellschaft erst einmal eine Grundsatzentscheidung zu treffen, was es künftig überhaupt sein, wofür es stehen will. Und was die Brandenburger von ihrem Theater erwarten (dürfen). Dass diese Diskussion längst überfällig ist, ist unstrittig. Insofern kann Brandenburg an der Havel Anna Loos dankbar sein, sie hat sie angestoßen.“
Diese Worte treffen den Kern des Problems. Dem Brandenburger Theater fehlt ein klar definiertes Profil, das sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Brandenburgerinnen und Brandenburger orientiert. Ohne eine solche Grundsatzentscheidung bleibt jede Personalentscheidung ein Provisorium – und jede finanzielle Debatte ein Blindflug.
Die BSW‑Fraktion fordert daher:
• eine sofortige, transparente Grundsatzdiskussion über die zukünftige Ausrichtung des Theaters
• eine klare Definition des Profils, das das Haus künftig erfüllen soll
• eine zügige und ordnungsgemäße Ausschreibung der Intendantenstelle
• eine professionelle, langfristige Lösung, die dem Theater Stabilität und Perspektive gibt
Abschließend ergänzt Andreas Kutsche, Co-Vorsitzender der BSW-Fraktion: „Die Zukunft des Brandenburger Theaters darf nicht länger durch Verzögerungen, Intransparenz und politische Unentschlossenheit gefährdet werden. Die Stadtgesellschaft hat ein Recht auf ein Theater, das verlässlich geführt wird, finanziell abgesichert ist und ein künstlerisches Profil besitzt, das dieser Stadt gerecht wird“.
Quelle: BSW‑Stadtfraktion Brandenburg an der Havel
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