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ERINNERN – BEWAHREN – LEBEN - Antisemitismusthemenwoche im Brandenburger Theater

Das Brandenburger Theater setzt zum Ende des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in
Deutschland“ ein wichtiges Zeichen für Demokratie und Toleranz: Der künstlerische Leiter,
Frank Martin Widmaier, hat eine Antisemitismusthemenwoche konzipiert und dafür ein
vielseitiges Programm zusammengestellt. Die Schirmherrschaft hat die Kulturministerin des Landes Brandenburg, Frau Dr. Manja Schüle, inne.
Vom 11. bis 17. Juni 2022 vereinen die Veranstaltungen vieles, was die darstellende Kunst
für Erinnerungskultur bieten kann. „Gerade heute sind Austausch und Annäherung
verschiedener Kulturen und Religionen wichtiger denn je.“, so Widmaier.
Höhepunkt und Auftakt bildet die Inszenierung der Kinderoper „Brundibár“, die im
Konzentrationslager Theresienstadt von den Nationalsozialisten benutzt wurde, um
Gräueltaten zu vertuschen. Sie erzählt von Solidarität, Freundschaft und dem Sieg des
Guten über das Böse und ist damit leider wiedertages aktuell. Kinder und Jugendliche der
Musikschule „Vicco von Bülow“, der Freien Musikschule Brandenburg an der Havel sowie
der Grundschule „Gebrüder Grimm“ stehen als Akteure auf der Bühne. Als ein Aspekt der
Auseinandersetzung mit der Geschichte der Oper haben die Kinder ein Interview mit der
Theresienstadt Überlebenden Margot Friedländer geführt, das als filmisches Element in die Inszenierung einfließen wird.
Auch bei der szenischen Lesung des Stücks „Der Prozess von Schamgorod“ des
Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel werden Brandenburger Bürgerinnen und Bürger
einbezogen. Mitglieder der BT Bürgerbühne sind hier als Lesende zu erleben.
Die aus einer jüdischen Familie stammende Autorin und Radio-Moderatorin Marion Brasch
liest aus ihrem Buch „Roman meiner fabelhaften Familie“ und stellt sich im Gespräch den

Fragen der Zuschauer. Ebenfalls zum Gespräch geladen sind Akteure des Künstler-Advokat-
Innen e.V.

Eine Aufzeichnung ihres bewegenden Doku-Dramas „Trotz Alledem – Af Al Pi Chen“, das
eine Berliner jüdische Widerstandsgruppe im Untergrund zur NS-Zeit porträtiert, wird gezeigt.
Lesungen und Musik mit Texten von Hilde Domin, Stefan Zweig, Mascha Kaléko und
anderen runden diese eindrückliche Themenwoche ab.

DAS KOMPLETTE PROGRAMM:
BRUNDIBÁR
Kinderoper von Hans Krása
11. Juni, 19:00 Uhr – Premiere
14. und 16. Juni, jeweils 10:00 Uhr
17. Juni, 19:00 Uhr
Die in Armut lebenden Geschwister Pepíček und Aninka wollen für ihre kranke Mutter Milch kaufen und beschließen, auf dem Marktplatz zu singen, um das dafür nötige Geld zu
verdienen. Doch der Leierkastenmann Brundibár verscheucht sie. Für Aninka und Pepíček
scheint alles verloren. Im Schlaf erscheinen den beiden ein Spatz, eine Katze und ein Hund
und geben neue Hoffnung: Mit Hilfe der Tiere werden alle Kinder der Stadt
zusammengetrommelt und gemeinsam gelingt es ihnen, Brundibár zu vertreiben.

DER PROZESS VON SCHAMGOROD
von Elie Wiesel
Gelesen von Mitgliedern der Bürgerbühne des Brandenburger Theaters.
Regie: Frank Martin Widmaier
12. Juni, 11:00 Uhr
14. Juni, 19:30 Uhr
1649: Kosakenführer Chmielnicki fällt mordend über Juden her. Die beiden einzigen
Überlebenden dieses Pogroms zwingen drei jüdische Wanderschauspieler, mit ihnen einen
Prozess durchzuspielen. Der Angeklagte ist Gott, „der den Mördern die Kraft und den Opfern die Tränen gibt. Wenn er verantwortlich ist, soll er gerichtet werden, ist er es nicht, soll er aufhören, uns zu richten“, so lautet ihr Credo.
Im historischen Gewand werden die Fragen verhandelt: Warum bringen Menschen einander um? Woher kommt der jahrtausendealte und immer wieder ausbrechende Hass gegen Andersgläubige und Andersdenkende?

AB JETZT IST RUHE – ROMAN MEINER FABELHAFTEN FAMILIE
Lesung und Gespräch mit Marion Brasch
12. Juni, 16:00 Uhr
Marion Braschs unwiderstehlicher Roman erzählt die Geschichte ihrer außergewöhnlichen
Familie im Spannungsfeld zwischen Ost und West.
Der Vater war stellvertretender Kulturminister der DDR, die Brüder, darunter Thomas Brasch, wurden als Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler bekannt.

Mit überraschender Leichtigkeit erzählt die „kleine Schwester“ die dramatischen Ereignisse in ihrer Familie und folgt ihrem Weg durch Abenteuer und Wirren in die eigene Freiheit.

TROTZ ALLEDEM – AF AL PI CHEN
von Künstler-Advokat-Innen e.V.
Filmvorführung und Gespräch
15. Juni, 10:00 Uhr
Das Theaterstück basiert auf den Lebensgeschichten von Zvi Aviram, Gad Beck, Jizchak
Schwersenz und Edith Wolff und ihrem gemeinsamen Leben im Untergrund und Widerstand
während der NS-Zeit in Berlin. Angelehnt an deren realen Lebensgeschichten entstand ein
Doku-Drama, das auf wissenschaftlichen Recherchen beruht und Originalzitate einbezieht.

Es erzählt von jungen Menschen, die durch ein Füreinander-Einstehen zu Außergewöhnli-
chem im Stande sind. Zugleich ist das Stück eine Parabel über die Mechanismen der Aus-
grenzung, über Widerstand und Mut unter schwierigsten Umständen.

„JAGE DIE ÄNGSTE FORT…“
Das jüdische Kulturleben des 19. und 20. Jahrhunderts
Lesung mit Helmut Mooshammer (Rezitation) und Senka Brankovic (Klavier)
15. Juni, 19:30 Uhr
In gemeinsamer Recherche haben der Schauspieler Helmut Mooshammer und die Pianistin Senka Brankovic ein Programm entwickelt, das das jüdische Kulturleben des 19. und 20. Jahrhunderts in Österreich und Deutschland in seinen Höhen und Tiefen auslotet, seine Blütezeit präsentiert, die dunkelsten Tage der menschlichen und künstlerischen Erniedrigung beklagt, um dann das Überleben, den Mut zur Kunst und Kreativität und den Lebenswillen zu zelebrieren.

HILDE DOMIN – ICH GING HEIM IN DAS WORT
Szenisch-musikalische Lesung mit Karen Schneeweiß-Voigt und Katharina Burges
16. Juni, 19:30 Uhr
Hilde Domin, als Kind jüdischer Eltern 1909 in Köln geboren, hatte 22 Jahre im Exil gelebt,
bevor sie 1954 nach Deutschland zurückkehrte.
Den Beginn ihrer schriftstellerischen Tätigkeit mit Anfang 40 bezeichnete sie als eine
Neugeburt. „Ich stand auf und ging heim in das Wort, von wo ich unvertreibbar bin. Das Wort aber war das deutsche Wort. Deswegen fuhr ich zurück über das Meer, dahin, wo das Wort lebt.“
Die Schauspielerin Karen Schneeweiß-Voigt trägt Gedichte und autobiographische Schriften Hilde Domins vor. Die Musikerin Katharina Burges gestaltet den Abend mit eigenen Kompositionen und denen jüdischer Komponisten.

Fotos:

ELIE_WIESEL_ copyright John Mathew Smith

Marion Brasch_©_Holmsohn

Helmut_Mooshammer_(c)_Promo

Senka Brankovic_©_christian-martin.de

Burges_Schneeweiss-Voigt_(c)_Andre Wlodarski

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