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Sportland Brandenburg ist Vorreiter bei der Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche

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Brandenburg ist Sportland und setzt auf die Bewegungsförderung in Kita und Schule. Denn Sport und Bewegung sind für Kinder und Jugendliche eine wichtige Voraussetzung für gutes Lernen. Deshalb setzt das Bildungsministerium (MBJS) seine Reihe der hybriden Fachgespräche heute mit der Veranstaltung „Bewegungsförderung im Kinder- und Jugendalter“ in Potsdam fort. Auf Einladung von Sport- und Bildungsminister Steffen Freiberg kommen rund 300 Fachkräfte aus dem Kita-, Schul- und Sportbereich zum Austausch mit Fachleuten aus der Wissenschaft zusammen.

 

Sport- und Bildungsminister Steffen Freiberg: „Sport, Spiel und Bewegung sind ein Schlüssel zum besseren Lernen. Wir beginnen im Sportland Brandenburg mit der Bewegungsförderung schon im vorschulischen Bereich und werden dies weiter ausbauen, etwa im Bereich der Ganztagsbetreuung. Ein wichtiger Partner dafür ist der organisierte Sport: Es gibt mehr als 1.000 Kooperationen zwischen Kitas und Schulen mit Sportvereinen in Brandenburg. Ein Leuchtturm ist das Projekt ‚Kinder in Bewegung‘ gemeinsam mit dem Märkischen Turnerbund Brandenburg. Entwickelt innerhalb des Programms ‚Aufholen nach Corona‘, ist es so erfolgreich, dass wir die Förderung für dieses Jahr verstetigt haben. Ich danke allen, die sich für Bewegung und Sport bei unseren Kindern und Jugendlichen einsetzen, für ihr tolles Engagement.“

 

Beim Fachgespräch „Bewegungsförderung im Kinder- und Jugendalter“ stehen verschiedene Fachleute für Gespräche zur Verfügung. Drei renommierte Wissenschaftler geben Inputs zum aktuellen Stand der Forschung.

 

Prof. Dr. Reinhold Kliegl: „Das Land Brandenburg hat mit EMOTIKON als einziges Bundesland die motorische Testung in der Grundschule seit 2009 flächendeckend umgesetzt. Bei der MBJS-Veranstaltung ‚Aufwachsen in Brandenburg‘ im Mai 2019 war das Resümee: ‚EMOTIKON ist ein Frühwarnsystem für eine Entwicklung im Bereich der motorischen Fitness, bei der wir aktiv gegensteuern müssen.‘ Covid hat die negative Entwicklung leider verstärkt: Es gibt auch deutliche regionale Unterschiede. Sportförderunterricht und Mitgliedschaft in Sportvereinen können dem Trend entgegenwirken und hoffentlich wieder umkehren.“

 

Prof. Dr. Reinhold Kliegl ist Seniorprofessor für Psychologie an der Universität Potsdam. Er ist unter anderem Preisträger für sein wissenschaftliches Lebenswerk und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und erhielt 2002 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt ist die motorische Fitness von Kindern und wie sie sich in den Covid-Jahren auf Landkreisebene verändert hat. Das ist auch das Thema seines Vortrags „EMOTIKON – ein Frühwarnsystem für motorische Fitness“, in dem er auch auf Zusammenhänge mit Daten aus Schuleingangsuntersuchungen eingeht.

 

Prof. Dr. Thomas Wendeborn: „Da der Mensch die Entwicklung der eigenen Möglichkeiten nicht vorhersehen kann, muss er es wagen, sich selbst in die eigene Zukunft hinzuentwerfen. Die Themen Bewegung, Spiel und Sport ab der frühkindlichen Bildung institutionell zu verankern, ist eine Zielstellung, die angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen eine hohe Bedeutung hat. Das Land Brandenburg hat sich mit verschiedenen Maßnahmen vergleichsweise frühzeitig auf den Weg gemacht, die damit verbundenen Themen systematisch zu bearbeiten, in forschungsbasierte Programme zu überführen und die beteiligten Institutionen durch entsprechende Ressourcenbereitstellung zu unterstützen.“

 

Prof. Dr. Thomas Wendeborn ist Lehrstuhlinhaber der Professur Sportpädagogik an der Universität Leipzig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich des Einsatzes digitaler Bildungstechnologien im Sportunterricht, der Usabilityforschung im Kontext des Bildungssystems sowie der Vereinbarung von schulischen Bildungsgängen und leistungssportlichen Karrieren im Nachwuchsbereich. Seine Expertise erwarb er sich unter anderem an der Technischen Universität Chemnitz, der Universität Potsdam, der Universität der Bundeswehr München sowie der Universität des Saarlandes. Sein Input-Thema lautet „Förderung von Bewegung, Spiel und Sport“.

 

Prof. Dr. Christian Andrä: „Lernen ist ein komplexes neurobiologisches Phänomen. Es hat ganzheitlichen, natürlichen Charakter und funktioniert in der Interaktion des Menschen mit seiner Umgebung. Das Werkzeug dafür ist der Körper – mit allen Sinneskanälen sowie der Motorik. Bewegung und Lernen sind untrennbar miteinander verbunden. Der Mensch hat großes – jedoch oft unzureichend genutztes – Potenzial für gelingende Lernprozesse. Bewegungsaktivität in all seinen Facetten führt dazu, dass dies besser ausgeschöpft werden kann.“

 

Prof. Dr. Christian Andrä ist Professor für Bewegungs- und Sportpädagogik an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam. Er schloss seine Promotion zu „Kognitiven Effekten der Bewegten Schule“ ab. Sein Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung der Bewegung im Lehr- und Lernprozess. Dieser entwickelte sich unter anderem durch seine wissenschaftliche Arbeit an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung in Leipzig und seiner Vertretungsprofessur für Sportdidaktik an der Universität Potsdam. Er berichtet über den „Zusammenhang von Bewegung und Kognition im Kinder- und Jugendbereich“.

 

Gute Beispiele für die Bewegungsförderung im Land Brandenburg

 

Das Programm „Kinder in Bewegung“ ist ein Erfolgsprodukt aus dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“. Der Märkische Turnerbund Brandenburg e.V. (MTB) hat im Auftrag des MBJS gemeinsam mit weiteren Sportvereinen gezielt Angebote für Grundschüler mit motorischem und psychosozialem Bedarf geschaffen: wöchentlich 60 Minuten ein zusätzliches, sportartübergreifendes Bewegungsangebot, geführt von einem Tandem aus Sportlehrkraft und Trainerin oder Trainer. Damit wurde insbesondere dem Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen in Folge der Corona-Pandemie begegnet.

„Kinder in Bewegung“ erreichte weit über 800 Schülerinnen und Schüler, die zuvor nicht für zusätzliche Bewegung erreicht werden konnten, an mehr als 40 Standorten in vielen Regionen Brandenburgs. Sportlehrkräfte sowie Übungsleiterinnen und Übungsleiter wurden sensibilisiert, fortgebildet und vernetzt. In den Jahren 2022 und 2023 wurde „Kinder in Bewegung“ mit mehr als 380.000 Euro gefördert. Da das Bund-Länder-Programm „Aufholen nach Corona“ im Jahresende 2023 auslief, hat sich das MBJS entschlossen, das erfolgreiche Angebot des MTB mit knapp 280.000 Euro aus eigenen Mitteln im Jahr 2024 weiter zu fördern.

 

Der Landessportbund Brandenburg e.V. und die Brandenburgische Sportjugend haben das Gütesiegel „Bewegungskita“ für bewegungsorientierte Kindertagesstätten entwickelt. Gemeinsam mit dem MBJS, der Universität Potsdam und der AOK Nordost wird das Zertifizierungsverfahren im Land Brandenburg umgesetzt. Das Gütesiegel wird als Auszeichnung für sehr gute Kitaarbeit im Bereich Bewegung vergeben. Es soll aber auch die Weiterentwicklung von Einrichtungen unterstützen, einen fachlichen Austausch unter den Kitas ermöglichen, ihre Arbeit nach außen transparent gestalten und Chancen der Vernetzung in der Region bieten. Darüber hinaus können alle Kitas von fachlicher Unterstützung und Beratung profitieren. Aktuell gibt es im Land Brandenburg 22 zertifizierte Bewegungskitas.

 

Darüber hinaus hat die Brandenburgische Sportjugend die Initiative „Kita in Bewegung“ initiiert. Sie hat den Ausbau und die Weiterentwicklung frühkindlicher Bewegungsangebote für Kindertageseinrichtungen zum Ziel. Seit 2021 besucht ein Bewegungsmobil die Kitas zu Aktionstagen mit Bewegungsangeboten für Kinder und Schulungen für Fachkräfte. In den Jahren 2023 und 2024 wird das Projekt aus den Mitteln zum Kita-Qualitätsgesetz mit jeweils 200.000 Euro gefördert.

 

Mit dem Wettbewerb „Sportlichste Schule im Land Brandenburg“ würdigt das MBJS seit dem Jahr 2000 beispielhafte Konzepte des Schulsports, die sich in der Praxis bewährt haben. Teilnahmeberechtigt sind Schulen aller Schulformen und -stufen im Land Brandenburg. Die Siegerschule darf sich über ein Preisgeld von 3.000 Euro sowie ein attraktives Schulschild „Sportlichste Schule im Land Brandenburg“ freuen. Der 2. Platz ist mit 1.000 Euro, der 3. Platz sowie der 4. Platz für die beste Förderschule sind mit 500 Euro dotiert. Im Jahr 2023 bewarben sich insgesamt 312 Schulen um den Titel – ein Teilnahmerekord. Den Titel errang die Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Grünheide (Mark), die ihr Konzept beim Fachgespräch vorstellt.

 

Hintergrund:

Das MBJS hatte mit dem 12-Punkte-Plan „Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Schulen in Brandenburg“ im Oktober 2022 einen Fahrplan für „gute Schule“ vorgelegt. In Fachgesprächen wird die schrittweise Umsetzung ab dem Schuljahr 2023/24 beraten. Bisherige Veranstaltungen: Fachgespräch Deutsch am 3. März 2023, Fachgespräch Mathematik am 31. März 2023, Fachgespräch „ChatGPT trifft Schule“ am 3. Mai 2023, Fachgespräch „Extremismus und demokratiefeindliche Tendenzen“ am 27. Juni 2023, Fachgespräch „Digitale Medien in der Schule“ am 8. September 2023 sowie Fachgespräch „Nahost-Konflikt: Umgang mit Antisemitismus und dem Thema Krieg“ am 27. November 2023.

 

Weitere Informationen:

12-Punkte-Plan des MBJS: Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Schulen

Website der Uni Potsdam: Prof. Dr. Reinhold Kliegl

EMOTIKON-Projekt an der Uni Potsdam

Website der Uni Leipzig: Prof. Dr. Thomas Wendeborn

Website der ESAB Potsdam: Prof. Dr. Christian Andrä

Programm „Kinder in Bewegung“ des MTB e.V.

Gütesiegel „Bewegungskita“ der Brandenburgischen Sportjugend

Wettbewerb „Sportlichste Schule im Land Brandenburg

Quelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

 

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