Mit einer Gedenkveranstaltung, einer Ausstellungseröffnung und einer Lesung wurde am 27. Januar 2026 an die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes erinnert.
An diesem Tag hatten vor 81 Jahren Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit, das bis heute für unfassbares Leid, für Grausamkeit und für die systematische Menschenvernichtung durch das Nazi-Regime steht. Es ist zum Symbol geworden für den Holocaust und für die Ermordung Millionen unschuldiger Menschen – und für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte.
Die Gedenkveranstaltung fand auf dem Gelände der ehemaligen „Euthanasie“-Tötungsanstaltstalt auf dem Nicolaiplatz statt, wo sich zuvor – von August 1933 bis Januar 1934 – eines der ersten deutschen Konzentrationslager befand.
Gedenkstättenleiterin Dr. Sylvia de Pasquale erinnerte daran, dass zu jener Zeit hier bereits rund 1.200 eingesperrte Männer brutale Gewalt erlebten, darunter der bekannte Rechtsanwalt und NS-Gegner Hans Litten.
„Er wurde grausam gefoltert, auch als Rache für sein Engagement gegen Hitler und die Nationalsozialisten während der Weimarer Republik. Es berührt uns sehr, dass Patricia Litten heute die Gedenkrede hier an diesem Ort hält, der am Beginn des Leidensweges ihres Onkels stand.“
Patricia Litten beteuerte, dass sie die Gegenwart sprachlos mache,
„angesichts der Krisen, der Kriege, der Lügen, des Hasses, der Geschichtsklitterung, der Grenzverschiebungen, der Gier, der Gleichgültigkeit. Was für ein gefährliches Gebräu!“
Auch wenn die Zeiten damals und heute – in Anbetracht der abscheulichen Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten – nicht zu vergleichen seien, müsse man aber das, was diesem Wahnsinn zugrunde liegt, analysieren, benennen und in Vergleich setzen dürfen,
„weil es die Blaupause ist für immer wiederkehrende ähnliche Strickmuster.“
Es beginne immer mit der Marginalisierung von Menschen, mit der Einteilung in angeblich wertvolles oder eben unwertes Leben und mit dem bewussten Ziehen von Grenzen – die Juden, die Muslime, die Schwulen, die Flüchtlinge…
„Darauf folgt die Entmenschlichung. Menschen werden erniedrigt und als Gefahr dargestellt. Man nennt sie Dreck, Schmeißfliegen, Pack oder auch Trush, wie Präsident Trump neulich auch gegenüber Flüchtenden gesagt hat. Menschen werden dämonisiert und es wird ganz gezielt die Angst geschürt. Und irgendwann erscheint es dann vollkommen legitim, offen darüber zu sprechen, wer Mensch ist und wer nicht.“
Patricia Litten sagte weiter:
„Für mich ist das ziemlich schwierig hier zu sein, an einem Ort, von dem ich weiß, dass es eines der Konzentrationslager war, in dem mein Onkel unverstellbares Leid erlebte.“
Geprägt von einem tiefen Gerechtigkeitsempfinden habe er als mutiger, junger Rechtsanwalt in Berlin Position bezogen. Und durch nichts und von niemandem habe er sich davon abbringen lassen. Das sei sein Vergehen gewesen. Er habe als Rechtsanwalt einen verdammt guten Job gemacht und 1931 – zwei Jahre vor der Machtergreifung – sogar Adolf Hitler als Zeuge vor Gericht in die Enge getrieben. Der habe daraufhin geschworen, seine Familie zu vernichten und er habe Wort gehalten.
Mehr über Hans Litten und seine Familie war wenig später zu erfahren, als Patricia Litten aus dem Buch „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“ (von Großmutter Irmgard Litten) im Gotischen Haus vorlas. Das 1940 im Exil verfasste Buch schildert den unermüdlichen Kampf Irmgard Littens um die Freilassung ihres Sohnes Hans, der nach dem Reichstagsbrand am 27./28. Februar 1933 verhaftet wurde und bis zu seinem Freitod in mehreren Konzentrationslagern schlimmsten Misshandlungen und Demütigungen ausgesetzt war.
Oberbürgermeister Steffen Scheller erinnert in seiner Gedenk-Rede auch an den Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der die Konzentrationslager in Auschwitz und Buchenwald überlebte und einmal gesagt hat:
„Der Holocaust begann nicht mit Gaskammern. Er begann mit Worten. Mit Ausgrenzung, mit Gleichgültigkeit, mit Wegsehen.“
„Wir wissen,“
so Steffen Scheller weiter,
„dass es auch in der Gegenwart notwendig ist, die Erinnerung an diese schreckliche Zeit wachzuhalten. Geschichtsverfälschung und Relativierung sind leider keine Seltenheit. Auch dem müssen wir entschieden entgegentreten. Denn wer die Vergangenheit verdreht oder verharmlost, untergräbt die Grundlagen einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur – und gefährdet unsere Demokratie. Die Geschichte zeigt uns, wohin Hass, Hetze und Ausgrenzung führen.“
Umso wichtiger sei es, Haltung zu zeigen. Das gehöre zu unserer demokratischen Verantwortung.
„Auch Gedenken bedeutet Verantwortung. Und Verantwortung heißt, Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit entschieden zurückzuweisen. Nicht nur an Gedenktagen. Sondern im Alltag. In Worten. In Taten. In Haltung. Mein Dank gilt der Leiterin der Gedenkstätte, Dr. Sylvia Pasquale, sowie ihrem gesamten Team für die engagierte, beharrliche und unverzichtbare Arbeit gegen das Vergessen.“
Gegen das Vergessen wirkt weiter die Wanderausstellung „Auftakt des Terrors – Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“, die ebenfalls am 27. Januar in der Sankt Johanniskirche eröffnet wurde und bis zum 6. April 2026 donnerstags bis sonntags von 12:00 bis 16:00 Uhr – öffentliche Führungen immer sonntags um 14:00 Uhr – besichtigt werden kann. An elf Themenstationen werden Entstehung, Funktion und die Gewalt gegen die Häftlinge in den frühen Konzentrationslagern vorgestellt, die maßgeblich zur Absicherung der nationalsozialistischen Herrschaft beitrugen. Die Ausstellung wurde durch die Gedenkstätten um einen Sonderteil zum frühen KZ Brandenburg ergänzt.
Quelle: © Stadt Brandenburg an der Havel / Th. Messerschmidt