Den 36. Geburtstag der Deutschen Einheit haben auf Einladung der Stadt Brandenburg an der Havel und des Rotary-Clubs Brandenburg viele Gäste im Brandenburger Dom gefeiert. Durch den 70-minütigen Festakt führte Dr. med. Holger Siggel, Präsident des Rotary-Clubs. Musikalisch begleiteten Marcel Fladerer Armbrecht an der Orgel und die Brandenburger Symphoniker unter Leitung von Chefdirigent Andreas Spering.
Dompfarrerin Susanne Graap eröffnete die Festveranstaltung mit einem geistlichen Impuls:
„Durch die Wende gewannen wir Freiheit und mussten uns in ihr erst zurechtfinden. Wir mussten und müssen lernen, mit dieser Freiheit umzugehen. Freiheit ist ein Geschenk, sie will gelebt und beschützt werden.“
Holger Siggel erinnerte an die Menschen, die nach der Wende in Brandenburg an der Havel Verantwortung übernahmen, beispielsweise am Runden Tisch, und von denen einige an diesem Abend im Dom waren.
„Gemeinschaft entsteht nicht allein, sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen. Ganz im Sinne der rotarischen Idee. Es geht um Menschen und Veränderungen und um die Frage, wie wir das Land und die Stadt weiter lebenswerter gestalten können.“
Oberbürgermeister Daniel Keip sagte:
„Für mich ist die deutsche Einheit eine Selbstverständlichkeit. Ich bin Jahrgang 1986 und kenne die Wende nur aus Erzählungen. Etwa davon, dass meine Mutter am 9. November 1989 bügelnd in der Küche stand und die Nachricht im RIAS für Science-Fiction hielt.“
Er würdigte jene, die in dieser Zeit des Umbruchs Verantwortung übernahmen, wie den am 19. September 2026 verstorbenen Dr. Helmut Schliesing.
„Er war von 1990 bis 2002 Oberbürgermeister unserer Stadt – und damit der erste frei gewählte Oberbürgermeister nach der politischen Wende. Er übernahm Verantwortung in einer Zeit, in der kaum jemand wissen konnte, wie Brandenburg an der Havel später aussehen würde. Die wichtige Botschaft an die jungen Generationen lautet: Wir müssen nicht wissen, wie die Zukunft genau aussehen wird, um sie gestalten zu können.“
Festrednerin war die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos, die selbst aus der Havelstadt stammt. 1988 floh sie mit 17 Jahren in den Westen.
„Ich bin in einer sehr liebevollen Familie aufgewachsen, hatte eine sehr glückliche Kindheit und Jugend. Dennoch habe ich mich gegen eine Diktatur und für die Freiheit entschieden.“
Die deutsche Einheit sei nicht geschenkt worden, Menschen hätten sie mutig auf den Straßen gefordert.
„Wir feiern heute die Erfahrung, dass Geschichte gestaltet werden kann – von uns. Demokratie ist für mich kein Fertigteilhaus, für mich ist sie wie ein Garten, der gepflegt und gestaltet werden muss.“
Das bedeute Arbeit, könne aber viel Freude bereiten.
Auch das Brandenburger Theater, das seit 27 Jahren kein eigenes Schauspielensemble mehr habe, sprach sie an und ermutigte dazu, Kunst und Kultur einen festen Platz im Leben zu geben.
Das Erbe der friedlichen Revolution bedeute für sie:
„Ich bin zuständig, ich fühle mich verantwortlich, ich mische mich ein.“
Mit der Europahymne und der Nationalhymne endete der Festakt.
Quelle: © Stadt Brandenburg an der Havel / Th. Messerschmidt