Wildschwein – niedlicher Frischling oder gefährlicher Nachbar?


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Brandenburg an der Havel Geschichten von Anna Skoryk

Wildschwein – niedlicher Frischling oder gefährlicher Nachbar?

In den vergangenen Monaten begegnen die Menschen in Brandenburg an der Havel immer häufiger ganzen Familien von Wildschweinen im Stadtgebiet. Auch ich selbst durfte zusammen mit meiner Familie am vergangenen Samstag eine solche Begegnung auf dem Marienberg erleben – ganz in der Nähe des Stadtfestes Bergfest. Dort sahen wir eine ganze Wildschweinfamilie. Für die Kinder war das ein echtes Abenteuer. Sie beobachteten die Tiere voller Begeisterung.
Solche Begegnungen sorgen tatsächlich oft für ein Schmunzeln und werden nicht selten sogar zu kleinen Stadtgeschichten.
So wurde kurz vor dem Jahreswechsel 2026 ein Wildschwein in Brandenburg an der Havel unerwartet zur lokalen „Berühmtheit“. Das Tier gelangte in ein privates Schwimmbecken. Während Einsatzkräfte noch darüber diskutierten, wie man den ungewöhnlichen Gast retten könne, verließ das Wildschwein das Wasser schließlich selbstständig und verschwand ruhig in Richtung Wald – als hätte es einfach nur testen wollen, ob sich ein Winterbad lohnt.
Solche Geschichten bringen viele Menschen zum Lächeln. Doch der erste Eindruck kann täuschen. Und oft entsteht der Eindruck, dass nicht nur Kinder, sondern auch manche Erwachsene unterschätzen, wie gefährlich dieses Tier in freier Natur tatsächlich sein kann.
Das Wildschwein gehört zu den kräftigsten und potenziell gefährlichsten Wildtieren Europas. Sein massiger Körper, seine scharfen Hauer und seine Fähigkeit, Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h zu erreichen, machen es zu einem Gegner, dem man besser nicht zu nahe kommt. Besonders gefährlich sind verletzte Tiere oder Bachen mit Frischlingen. Beim Schutz ihres Nachwuchses können Wildschweine äußerst aggressiv reagieren und schwere, in manchen Fällen sogar lebensgefährliche Verletzungen verursachen.
Die einfache Regel lautet daher: Ein Wildschwein sollte man nur aus sicherer Entfernung beobachten. Für Selfies gibt es deutlich ungefährlichere Nachbarn.
Doch Wildschweine sind längst nicht die einzigen tierischen Mitbewohner in Brandenburg an der Havel. Hier leben talentierte Ingenieure, geschickte Jäger, geborene Strategen und sogar wahre „Kommandeure“. Lernen wir sie etwas besser kennen.


Der Biber – ein Hydrotechniker ohne Lehrbücher

Der Biber ist so etwas wie der wichtigste Ingenieur unserer Region.
Während Menschen noch über Projekte diskutieren, Sitzungen abhalten und Pläne entwerfen, arbeiten Biber längst an der Umsetzung. Innerhalb einer einzigen Nacht entstehen beeindruckende Bauwerke: Dämme, die den Verlauf von Flüssen verändern oder sogar neue Wasserflächen entstehen lassen.
Der Eingang zu ihrem Bau befindet sich unter Wasser – die Biber tauchen, um in ihr Zuhause zu gelangen, was ihnen einen zuverlässigen Schutz vor Fressfeinden bietet.
Der Biberbau ist oft ein zweigeschossiges System, dessen Höhe manchmal sogar der Größe eines Menschen entspricht. Er liegt vollständig im Uferbereich im Erdreich, während der Zugang ausschließlich vom Wasser aus erfolgt.
Das Bauwerk besteht aus mehreren Kammern: darunter ein Vorratsraum für Nahrung und eine trockene Wohnkammer, in der die Familie ruht.
Während Menschen über Architektur sprechen, leben die Biber längst in ihren zweistöckigen „Penthousewohnungen“ mit Blick auf die Havel.

Der Fuchs – der rote Stratege

Füchse gehören seit Jahrhunderten zu den Helden von Märchen und Fabeln. In Wirklichkeit sind sie jedoch vor allem kluge und anpassungsfähige Überlebenskünstler. Mit ihrem außergewöhnlich feinen Gehör können sie sogar Mäuse unter einer Schneedecke orten.
Wenn es im Wald eine Immobilienagentur gäbe, wäre der Fuchs vermutlich einer ihrer treuesten Kunden. Denn nicht immer gräbt er seinen Bau selbst. Manchmal zieht er in einen bereits vorhandenen Dachsbau ein.
Mitunter leben Fuchs und Dachs sogar eine Zeit lang im selben unterirdischen Bau, nutzen dabei aber verschiedene Eingänge und Gänge. Der Dachs gilt als ein sehr reinliches Tier, während der Fuchs als Mitbewohner deutlich weniger ordentlich ist. Wenn das Zusammenleben für den Dachs irgendwann zu ungemütlich wird, sucht er sich manchmal ein neues Zuhause und gräbt einen eigenen Bau.
So sind die alten Geschichten vom listigen Fuchs, der fremde Häuser übernimmt, gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt.

Der Eisvogel – ein Juwel der Havel

Der Eisvogel gehört zu den farbenprächtigsten Bewohnern unserer Region.
Sein Gefieder wirkt fast tropisch, obwohl er ein heimischer Vogel der Havel ist. Oft sitzt er regungslos über dem Wasser, bevor er im nächsten Moment blitzschnell ins Wasser taucht, um kleine Fische zu fangen.
In der Vogelwelt wäre der Eisvogel vermutlich ein olympischer Meister in Präzision und Geschwindigkeit.
Die Gänse – laute Wächter der Ordnung
Gänse sind äußerst soziale und selbstbewusste Vögel.
Wenn ein Gössel in der Nähe des Menschen aufwächst, kann es diesen als Teil seiner Familie betrachten und ihn überallhin begleiten – begleitet von lautstarken Kommentaren zu allem, was passiert.
Manchmal entsteht der Eindruck, dass Gänse ihren eigenen Tagesplan haben und genau darauf achten, dass die Menschen sich daran halten.
Der Hund ist überzeugt, einen Besitzer zu haben.
Die Katze ist überzeugt, Personal zu haben.
Und die Gans ist überzeugt, dass sie das gesamte System leitet.

Schwäne, Rehe und Eulen – stille Nachbarn der Stadt

Auch abseits der „auffälligen“ Tiere begegnet man in Brandenburg an der Havel vielen stillen Bewohnern der Natur.
Schwäne gehören zu den majestätischsten Erscheinungen der Havel. Sie wirken ruhig und elegant, verteidigen ihr Revier jedoch sehr entschlossen. Oft hat man den Eindruck, dass ihnen der Fluss selbst gehört.
Rehe sind dagegen fast lautlose Erscheinungen. Leicht, vorsichtig und scheu tauchen sie nur kurz am Rand von Feldern oder Waldrändern auf – und sind im nächsten Moment wieder verschwunden. Oft bleibt nur die Frage: War das wirklich ein Tier oder nur ein kurzer Moment der Einbildung?
Eulen schließlich sind die stillen Beobachter der Nacht. Man hört sie häufiger, als man sie sieht. Mit ihrem lautlosen Flug und ihrem wachsamen Blick wirken sie wie nächtliche Wächter der Wälder und Parks – als würden sie alles sehen, aber nichts kommentieren.

Diese Begegnungen mit unseren tierischen Nachbarn zeigen vor allem eines: Die Natur ist nicht weit entfernt, sondern direkt vor unserer Haustür. Vielleicht regen solche Geschichten dazu an, genauer hinzusehen, die kleinen Wunder unserer Umgebung wahrzunehmen und mit mehr Respekt und Aufmerksamkeit durch unsere gemeinsame Landschaft zu gehen.

Brandenburg an der Havel ist ein Ort, an dem Menschen und Natur eng nebeneinander leben. Hier begegnen uns Wildschweine als „spontane Badegäste“, Biber als Ingenieure, Füchse als Strategen, Eisvögel als Meister der Präzision und Gänse als lautstarke Organisatoren des Alltags.
Doch die Natur rund um Brandenburg an der Havel hält noch viele weitere spannende Geschichten bereit. Luchse, Wölfe, Fischotter, Igel und viele andere Tiere gehören ebenfalls zu unserer heimischen Tierwelt. Von ihnen erzählen wir Ihnen in einer der nächsten Veröffentlichungen.
Und eines darf man dabei nie vergessen:
Nicht die Tiere sind in unsere Stadt gekommen.
Wir leben in ihrer Landschaft – und teilen sie mit ihnen.
Darum lohnt es sich, beim nächsten Spaziergang genauer hinzusehen. Man weiß nie, wem man begegnet: einem Nachbarn, einem stillen Reh am Waldrand oder vielleicht einem Wildschwein, das gerade wieder ein Schwimmbad „testet“.
 
Geschichten von Anna Skoryk

Leserbriefe, Wahlwerbung und politische Meldungen unterliegen der Eigenverantwortung des Verfassers und spiegeln nicht die Meinung oder Interessen der Redaktion wieder.

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