Zehn Jahre Rettungsarchäologie in Albanien. Beitrag, Erfahrungen und Ergebnisse von Brandenburger und Berliner Archäologen

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Zehn Jahre Rettungsarchäologie in Albanien. Beitrag, Erfahrungen und
Ergebnisse von Brandenburger und Berliner Archäologen

Mi, 4. Dezember 2019 – 18.30 Uhr
Prof. Dr. Gjergj Frashëri und Dr. Antonia Schütz

Die Republik Albanien hat 2008 das “Europäische Übereinkommen zum
Schutz des archäologischen Erbes”, die sog. “Konvention von Malta” (1992)
ratifiziert. Mit dem Inkrafttreten dieses EU-Abkommens änderte sich auch die
gesetzliche Grundlage für den Umgang mit Denkmälern und archäologischen
Stätten im Land. Eine der bedeutendsten Änderungen war die Umsetzung des
“Verursacherprinzips” in der Archäologie, nach welchem öffentliche und
private Bauträger die Kosten einer professionellen Rettungsgrabung
entsprechend den modernen europäischen Grabungs- und
Dokumentationsstandards zu tragen haben. Als im Januar 2009 neue
fachliche Richtlinien des albanischen Kulturministeriums für die Durchführung
und Aufarbeitung archäologischer Grabungen in Kraft traten, wurde erstmals
auch die Durchführung archäologischer Rettungsgrabungen durch private
archäologische Fachfirmen erlaubt.
Der Archäologe und Bauhistoriker Gjergj Frashëri, langjähriger Leiter der
Berliner Grabungsfirma “Stadt- und Landschaftsarchäologie”, war nicht nur
maßgeblich an der Formulierung der Gesetzesgrundlagen und fachlichen
Richtlinien für die Rettungsarchäologie in Albanien beteiligt. Er führte seit 2009
zusammen mit seiner Kollegin Antonia Schütz auch mehrere wichtige und
ergebnisreiche Rettungsgrabungen in der albanischen Stadt Durrës – dem
berühmten Epidamnus/Dyrrachium der Antike – durch.
Im Vortrag sollen einige der wichtigsten Grabungsergebnisse vorgestellt
werden, so die Ausgrabung eines illyrisch-römischen Handwerkerviertels,
welches inzwischen auch in einer umfangreichen, reich illustrierten
Monographie publiziert worden ist (G. Frasheri, Illyrisches Dyrrah,
Tirana/Köthen 2015). Zusammen mit den fachlichen Ergebnissen werden aber
auch interessante und offene Einblicke in den Arbeitsalltag zweier privater
Archäologen geboten, die sich seit nun bereits zehn Jahren nicht entmutigen
lassen, mit Idealismus in einem kleinen, fast vergessenen Land im Herzen des
antiken Europas arbeiten – auch wenn dessen großer Reichtum an
archäologischen Bodenschätzen trotz moderner Denkmalschutzgesetze
tagtäglich durch aggressive Bauinteressen und das (Nicht-)Handeln korrupter
Mitarbeiter staatlicher Institutionen Stück für Stück undokumentiert vernichtet
wird.

Eintritt: frei

Veranstaltungsort:
Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Neustädtische Heidestraße 28
14776 Brandenburg an der Havel

Albanien, die antike Stadt Dyrrah (Durrës), Überblick über eine Rettungsgrabung im illyrisch-römischen Handwerkerviertel (2010)
Foto: Autor Gjergj Frasheri

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