Ruinenbilder: Dokumente oder Kunst?

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Die zerstörte Stadt als Landschaft am Beispiel von Brandenburg an der Havel - Vortrag am 25.10.2018, um 18.30 Uhr, im Gotischen Haus

Garski, Walter, Zerstörte Paulikirche in der Abenddämmerung, Aquarell, 1947 Sammlung Stadtmuseum Brandenburg an der Havel

Das Stadtmuseum Brandenburg an der Havel lädt am Donnerstag, dem 25.10.2018, um 18.30 Uhr zu einem speziellen Vortrag in das Gotische Haus ein. Im Rahmen der Museumsausstellung „Auf ein Neues… 150 Jahre Sammlungen des Museums“ widmet sich der Potsdamer Architekturhistoriker Thomas Sander in seinem Vortrag der zerstörten Stadt als Landschaft zu unterschiedlichen Zeiten und im Bild unterschiedlicher, eben auch Brandenburger Künstler und soll zugleich eine sehr aktuelle Warnung sein, den Krieg niemals als eine Option menschlichen Handelns zu akzeptieren.

Er schreibt weiter zum Inhalt seines Vortrages: „Die Bilder der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Städte sind scheinbar Allgemeingut geworden. Ob Dresden, Potsdam oder Brandenburg an der Havel, stets empfinden wir die Aufnahmen des zertrümmerten Ortes, an dem wir heute Jahrzehnte später leben und arbeiten, als ebenso faszinierend wie unheimlich. Wir vergleichen diese Bilder mit alten Vorkriegsaufnahmen, suchen nach Übereinstimmungen, Resten dessen, was einst eine Kirche oder ein Bürgerhaus war, und trauern zugleich um die Sinnlosigkeit dieser Verluste. Wir ahnen in der Unwirtlichkeit unserer modernen Städte, dass diese Verluste – von den menschlichen einmal ganz abgesehen – nie wieder gut gemacht werden können. Und dass jedes derartige Bild, sei es ein Foto oder eine Zeichnung, immer eine Bestandsaufnahme wie auch eine deutliche Warnung an uns ist." 

"Gerade Künstler haben sich immer wieder mit der mutwilligen Zerstörung von Städten auseinandergesetzt, meist in der Folge des Geschehens, mitunter und sehr aber auch in Form eines Menetekels, etwa wenn Hans Grundig (1901-1958) schon 1938 das brennende Dresden in seinem Triptychon 'Das Tausendjährige Reich' als einzig denkbare Konsequenz voraussah. Auch in Brandenburg an der Havel durchwanderten Künstler nach dem Krieg die menschengemachte Wüstenei und nahmen in ihren Bildern jene altvertrauten Orte auf, deren Zerstörung sie nie für möglich gehalten hätten. Walter Garski gehörte zu ihnen und er fand wie jeder Künstler seinen persönlichen Zugang zum Unfasslichen, fernab der scheinbaren Objektivität eines Fotos. So erscheint die Ruine der St. Paulikirche in der Abenddämmerung inmitten einer Trümmerlandschaft nicht nur wie ein Abgesang auf die alte Stadt, sondern auch wie ein Monument trotzigem Beharrens über die schlimmsten Zeiten hinweg.“

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
Veranstaltungsort: Gotisches Haus, Ritterstraße 86, 14770 Brandenburg an der Havel
Ein barrierefreier Zugang ist über den Hof Johanniskirchgasse 4 möglich.

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